Grobe Reiseroute

In diesem Jahr sollte unsere Fahrt in die Pyrenäen gehen. Die Route, die ich ausgearbeitet hatte, ging über Österreich (Ötztal und Timmelsjoch) ins italienische Genua. Von dort wollten wir mit der Fähre nach Barcelona übersetzen und vor dort dann in einem Zickzack-Kurs immer an der spanisch-französischen Grenze und durch Andorra bis rauf an die Bucht von Biscaya. Ein Teil unserer Route ist auch bekannt als die Route de Cols. Der Rückweg sollte dann über Pau, unterhalb von Toulouse, über Montpellier, an Avignon vorbei bis nach Saint Andre-les Alpes gehen, um dort dann auf die Route des Grand Alpes zu kommen und dann über Genf nach Reutlingen zurückzukehren.


Anreise

So war es geplant und bis auf den Rückweg verlief es auch so, wie wir es geplant hatten. Wir hatten uns für den Rückweg über die Cote D`azur entschieden, aber leider kamen wir nur bis ca. 80 Km südwestlich von Narbonne, dann wollte der Kardan meiner GS nicht mehr und damit war die Reise mit dem Motorrad zu Ende. Jetzt aber erstmal zur Hinreise. Wie immer wollten wir uns um 06:00 Uhr morgens an einer bestimmten Tankstelle in Ulm treffen. Ich war, wie immer, pünktlich (kleines Eigenlob 🙂 ), aber mein Kumpel kam nicht. Da ich nur mein privates Handy mit hatte, musste ich mir erst seine Handynummer bei einem Arbeitskollegen besorgen. Nachdem ich diese hatte, rief ich ihn an und als Antwort erhielt ich, dass er in Geislingen mit defekten Radlagern steht. Als ich in Geislingen ankam, haben wir erstmal alle Werkstätten abgefahren, aber bedauerlicherweise ohne Erfolg, keiner konnte oder wollte helfen. Also blieb uns nur der Weg nach Göppingen zum Vertragshändler. Das war auch gut so, denn der hat sofort die Reparatur ausgeführt und so konnten wir mit 5-stündiger Verspätung starten. Zuerst ging es wie immer auf die Autobahn A8, um dann auf die A7 zu wechseln. In Kempten ging es dann auf die B19 nach Sonthofen, von dort dann übers Oberjoch durch das Tannheimer Tal zum Hahntenjoch und dann ins Ötztal zum Timmelsjoch. Wer das Timmelsjoch noch nie gefahren ist, dem ist dieses nur zu empfehlen. Es kostet zwar als einfache Fahrt 12 Euro, aber die sind es absolut wert. Vor allem die italienische Seite ist echt von feinsten. Zumindest, was die Kurven betrifft.

Anreise
Timmelsjoch

Genua

Nach den vielen Kurven ging es dann quer durch Südtirol an Meran vorbei zum Lago Iseo und dann aus Zeitgründen über die A21 nach Genua in den Fährhafen. Nachdem wir nach einigem Suchen unsere Fähre gefunden hatten und uns und unsere Motorräder eingecheckt hatten, konnten wir die Motorräder in das obere Parkdeck fahren. Nachdem die Besatzung die Mopeds fest gezurrt hatte, sind wir aufs Deck gegangen, um unseren Schlafplatz zu finden. Wir hatten keine Kabine, sondern die sogenannten Pullmannsitze gebucht. Als wir in den Raum kamen, in dem diese Sitze waren, sind wir aber auch wieder recht schnell gegangen und haben uns einen Platz in einer Bar gesucht. Da war die Lautstärke und vor allem der Geruch deutlich angenehmer. In den Morgenstunden kam ein bisschen Wellengang auf, der das Schiff ein wenig ins Schaukeln brachte.

Genua Hafen
Laderaum

Barcelona und Start Pyrenäen

Nach einer recht angenehmen Fahrt erreichten wir um die Mittagszeit dann Barcelona. Nachdem wir die Fähre verlassen hatten, ging es erstmal quer durch die Stadt in grob nördliche Richtung, um auf die C-17 nach Vic zu kommen. Von Vic ging es dann in nordöstliche Richtung nach Berga und dann über die C-26 nach Ripoll. Nach Ripoll fingen dann so langsam die Kurven an, die man in den Pyrenäen sucht und zuhauf findet. Weiter ging es über die D-115 und dem Col d`Ares bis nach Amelie-Les-Bains-Palada. Hier sind wir dann auf die D-618 abgebogen.


Rumänien

Das ist das Schöne an den Pyrenäen; es gibt viele Möglichkeiten, sich auf den Straßen auszutoben, entweder auf befestigten Straßen oder auf Feld- und Waldwegen. Für jeden ist etwas dabei. Nachdem wir Saint-Masal hinter uns gelassen haben, verließen wir die befestigten Wege und dann ging es erst über leichte Waldwege, die sich dann zu echten Herausforderungen mit Wasserdurchfahrten, tiefen Längs- und Querrillen und mit großflächigen Schlammdurchfahrten darstellte. Wir waren fast dreiviertel des Tages in den Waldgebieten unterwegs, ohne auf eine befestigte Straße zu kommen. In der Nähe von Vinca sind wir dann wieder auf geteerte Wege gekommen. In Prades haben wir die Hauptstraße dann wieder verlassen, um über die D-14 und dem Col Jau, dem Col du Gravel und dem Col des Moulins zur D-25 und dann über den Col de Pailheres nach Ax-Les-Thermes zu gelangen. Von hier ging es dann Richtung Süden über die N-20 und dem Port d`Envalira nach Andorra.

. Am nächsten Tag machten wir morgens erstmal eine Schlossbesichtigung. Dieses Schloss ist eigentlich nicht das Dracula-Schloss, denn Graf Vlad III auf dessen Taten die Dracula-Saga basiert, hat dieses Schloss nie betreten. Der Ort Bran selbst ist ein absoluter Touristenort und alles ist auf irgendwelchen Nippes ausgelegt. Nach dieser Besichtigung ging es auf die 73 nach Süden, denn heute wollten wir die wichtigste Straße, der Transfogarascher Hochstraße, welche quer durch die Südkarpaten führt, befahren. Wir sind dann in Curtea de Arges auf die 7c in nördlicher Richtung gefahren und dann fing der absolute Passgenuss an. Der Balea-Pass (Transfăgărășan) hat eine Höhe von 2042 Meter und wie in ganz Rumänien kann man diesen Pass nicht verfehlen, denn auch dort sind wieder mengenweise Verkaufsbuden aufgebaut, in denen man allerlei Krimskrams kaufen kann. Alleine diese Straße ist es schon wert, einmal quer durch Rumänien zu fahren.An diesem Tag führte uns unsere Tour dann noch durch Kronstadt bis nach Buzau wo wir ein gutes Hotel gefunden hatten. In diesem Hotel haben wir dann am Abend auch noch eine Zigeunerhochzeit gesehen und das war wirklich interessant. Wir hatten auf unserer Tour einige Zigeunerbehausungen gesehen und ich meine wirklich Behausungen, denn von Häusern oder Hütten konnte man schon nicht mehr sprechen, aber der Pomp und die zur Schaustellung von Geld und noch mehr Geld auf dieser Hochzeit war wirklich der Hammer. Autos unter einem Audi S6 waren dort nicht anzutreffen.

Bulgarien

Der folgende Tag stand unter dem Motto kleine Straßen mit vielen Löchern und dem Schwarzen Meer. Wir machten uns in südlicher Richtung über viele kleine, auch unbefestigte Straßen auf den Weg, bis wir in Galati dann wieder auf die Donau trafen. Hier haben wir dann die Überfahrt mit einer alten Schubfähre erlebt und machten uns dann endlich auf den Weg an das Schwarze Meer, welches wir dann in Constanța erreichten. Unser Weg führte uns weiter nach Süden, bis wir in einem Kuhdorf dann die Grenze nach Bulgarien überquerten. Der Tag endete in Sosopol wo wir in einer Ferienanlage untergekommen waren.


Türkei

Weiter ging es dann am nächsten Tag mit Ziel Türkei, jeder, der schon mal mit einem Fahrzeug die türkischen Grenzen überschritten hat, weiß, wovon ich rede, wenn ich sage, dass diese Grenzen wirklich das Letzte sind. Es war einfacher und schneller in die frühere DDR zu kommen als in die Türkei. Nachdem wir Unmengen Papiere ausgefüllt hatten und uns das dumme Gelabere des Vorstehers oder wie der heißt anhören mussten, konnten wir nach gut 1,5 Stunden dann endlich die Grenze überfahren. Unser Weg führte uns erst über Straßen, die ausgebaut waren wie Autobahnen, bis nach Babaeski wo wir dann Richtung Schwarzes Meer abgebogen sind. In Babaeski haben wir dann auch die verschiedenen Wohnstile gesehen. An der Hauptstraße war alles neu und gepflegt; als wir jedoch in eine Seitenstraße abgebogen sind, konnten wir sehen, wie Menschen mitten in der Stadt auf einer Müllkippe in verfallenen Hütten lebten. Diese Müllkippen haben wir dann auch an jedem Ort wiedergesehen, welchen wir noch auf der Schwarzmeerseite durchfahren sollten. In Kiyiköy haben wir dann in einer Seitenstraße eine Pension gefunden, in welcher wir dann noch übernachten konnten. Jeder, der diese Tour vorhat, sollte auf jeden Fall in der Türkei Bargeld dabei haben, denn EC-Kartenautomaten sind echt selten und Bezahlen mit EC-Karte oder Kreditkarte ist in den ländlichen Gebieten fast nicht möglich. Nach dieser kurzen Nacht und dem frühmorgendlichen Ruf von der Moschee ging es nach Istanbul. Istanbul, dreckig, laut und mit einer unendlichen Anzahl von Autofahrern, die bestimmt nie eine Fahrschule gesehen haben. Der Verkehr ist das Letzte, nicht nur, dass die Leute fahren, als, wenn es keinen Morgen mehr gibt, die fahren einem sogar gegen den Koffer und versuchen das ganze Motorrad samt Fahren an Seite zu drücken. Was mir in Istanbul gefallen hat, ist der Bereich am Bosporus und um die Hagia Sophia herum. Leider sind die Straßenschilder nicht verständlich, so haben wir ziemlich lange gesucht, um unseren Weg durch die Stadt zu finden. Natürlich sind wir auch über die Bosporus-Brücke gefahren, nur um einmal auf den asiatischen Kontinent zu kommen. Nach diesem frustrierenden Verkehr in Istanbul kam uns die Fahrt an der Mittelmeerküste entlang wie eine Erholungstour vor. Eine wichtige Erkenntnis haben wir in der Türkei gelernt: Wenn die Leute nicht gerade in Ihren Autos sitzen, dann sind es echt nette und hilfsbereite Menschen. Bei Ipsala haben wir dann am späten Nachmittag die Grenze nach Griechenland überquert. Diese türkisch griechische Grenze kommt einem vor wie die Grenze zur DDR; nachdem wir die Grenze hinter uns hatten, war das Erste, was wir auf griechischer Seite sahen, zwei MG Nester, mit den Rohren auf die Türkei zeigend.

Griechenland

In Alexandroulolus war dann an diesem Tag die Fahrt zu Ende und wir haben bei einem guten Essen und einigen Bieren der Tag dann die notwendige Bettschwere erreicht. Zu Griechenland gibt es nicht viel zu sagen. Vielleicht doch noch eines, die Tageshöchsttemperaturen lagen bei 46 Grad und sogar beim Fahren tropfte einem der Schweiß aus der Motorradjacke. Am späten Nachmittag haben wir dann kurz nach Krytallopigi die Grenze nach Albanien überquert. Der Tag endete dann im albanischen Pogradec. Wir haben dort ein kleines Hotel gefunden und waren dort wirklich super aufgehoben, nicht nur, dass wir Wasser und alle Arten von Shampoo und Duschgel bekommen haben, auch wurden unsere Klamotten auf einen Trockenständer gehängt und man wollte sogar unsere Motorräder waschen. Das ganze dann für 15 Euro, echt der Hammer. Am Abend brachte uns der Sohn des Hauses dann auch noch in ein Restaurant, wo wir preisgünstig und gut Essen konnten.

Albanien und Rückreise

Weiter ging es am nächsten Tag am Lake Ohrid entlang; auch hier könnte man die Armut der Menschen sehen und die Hütten, in welchen sie teilweise leben müssen. Zwei Dinge werden mir bei Albanien immer im Gedächtnis bleibe, das sind zum einen die Unmengen Tankstellen, die es da gibt und zum zweiten die Menge Menschen, die am Straßenrand stehen und einem das Auto waschen wollen, ach ja und natürlich das mindestens 60 % aller Autos aus Deutschland sind und meist die mit dem Stern. Die Hauptstraßen sind in einem wirklich guten Zustand, aber die Nebenstraßen sind bestimmt die letzten 40 Jahre nicht mehr repariert worden und somit ist ein schnelles Vorankommen nur auf den Hauptstraßen möglich, aber wenn man Fun haben will so wie wir dann sollte man ruhig auf die Nebenstraßen ausweichen. Unser Weg führte uns dann durch den Kreis Elbasan und Kavaya wo wir in Durres auf das Mittelmeer getroffen sind. Albanien ist ein wirklich nettes Land und die Leute, obwohl sie wirklich arm sind, sind echt nette Menschen und sind hilfsbereit und immer freundlich. Am Scutari Lake haben wir dann dieses nette Land verlassen und die Grenze nach Montenegro überfahren. Für Montenegro ist mir eins in Erinnerung geblieben: Die unheimlich vielen Radarkontrollen, die es in diesem Land gibt. Weiter ging es dann ein Stück durch Bosnien Herzegowina, wo gerade diese kleine Ecke, die wir durchfahren hatten, von der Landschaft her wirklich einmalig ist. Die folgenden Länder, Kroatien, Slowenien, Italien und Österreich, waren dann nur noch Transitländer, um wieder nach Deutschland zu kommen. Alles in allem eine weite Reise mit sehr vielen Erlebnissen und Begegnungen, die immer nur positiv waren. Es war zwar sehr anstrengend und extrem heiß, aber auch im Nachhinein würde ich die Tour nicht anders planen oder ausführen.